Alphabeat
A Radioshow and Blog
by Johannes Pletzer
and Florian Primeßnig

Alumnis:
Stefan Steinbauer,
Andreas Koller,
and Toni Antic

Wer beatet mehr?
Gender Issues
Posted by andreas.koller on Mittwoch März 08th 2006
Filed under: Alphabeat Blog

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags und unserer abendlichen Sendung machen wir uns gerade Gedanken über die Geschlechterrollen im Hip-Hop.

Wir wollen natürlich aus diesem Anlass in unserer Sendung ausschliesslich weibliche Musikerinnen featuren, aber das scheint wirklich nicht so leicht zu sein…

Zum Beispiel habe ich gerade festgestellt, dass im letzten Message-Magazin, Informationsquelle #1 für österreichischen Hip-Hop, keine einzige Frau gefeatured wird. Die einzige Erwähnung findet Princess Superstar irgendwo auf der letzten Seite mit einem Konzert in Graz (die hat auch in Salzburg und Wien gespielt!). Und Andrea Parker oder DJ Storm waren ja auch kürzlich in der Black Box (ARGE Salzburg). Auch Ursula Rucker hat ein neues Album, das erhielt auch keine Review. Das Label „Female Fun Records“, auf dem Sadat X, DJ Spinna, Prince Paul, MF Doom u.a. Veröffentlichungen vorweisen

können, trägt auch nur in seinem Namen etwas weibliches, alle Aktiven dort sind Männer. Frauen sind in dem Magazin lediglich fürs Titelbild halbnackt und teils ganz nackt auf einer Doppelseite mit alten Plattencovern zu finden, das ist wohl nicht vertretbar. Ganz zu schweigen von Zuzee“s Interview mit einer Partybesucherin namens Ursula, das wirklich niveaulos ist (ja, ich trau mich hier über meine Helden zu schimpfen, aber das war einfach überflüssig, diese Seite im Message). Warum ist das so, ich denke auch Frauen oder sogar vor allem Frauen verfügen über den Flow, um zb. ein Hiphop-Album zu produzieren oder musikalisch aktiv zu sein. Frauen werden aber blöderweise im Hiphop meist als Zaungäste oder Sexobjekt gesehen. Aber zumindest erwähnt Pharell im Message, dass er mit Gwen Stefani (früher No Doubt) einen Song aufgenommen hat. Das passiert ja zumindest schon öfter, dass Superstars des Hiphops ein paar Lieder mit weiblichen Sängerinnen oder MCs aufnehmen, allerdings meint Pharell, er habe „sie eher als Instrument benützt“ (The Message 2/2006, S. 17) Na toll.

Naja, jedenfalls scheint es wirklich schwierig, eine Auswahl für die heutige Sendung zu treffen. Wir hatten schon mal ein Special „Frauen im Hip-Hop“, das sich über zwei Sendungen streckte, und damals haben wir bereits Ursula Rucker, Bahamadia, Fiva MC, Pyranja, What-What, Lauryn Hill, Female Pressure, bpitch control… gefeatured bzw erwähnt. Was hat sich da inzwischen getan? Ausser Mary J. Blidge und einigen anderen weiblichen Marionetten des Musikbusiness wohl nicht viel. „Als Hip Hop-Girl hat man es schon nicht leicht.“ schreibt auch unser Lieblings-Info-Pool laut.de über Pyranja und triffts ziemlich auf den Punkt. Aber warum ist das so?

Eine ausführliche und wissenschaftliche Analyse zu Gender und Musik findet ihr hier: Musikvideo und Gender – Kommentierte Linkliste. Genug Stoff zu lesen…

Auch die Arbeit „Die soziale Konstruktion von Geschlechtern im Rap“ von Claudia Felber scheint interessant zu sein – zumindest der Einleitung nach, die man online gratis lesen kann. Sie stellt die Frage nach der Rollenverteilung der Geschlechter im Hiphop, „wobei explizit der Frage nachgegangen werden soll, inwieweit Rapmusik als Reproduktionsmechanismus für geschlechtliche Herrschaftsverhältnisse angesehen werden kann.“ Die Zukunft wird nicht unwesentlich von den Bildern beeinflusst, die im Musikbusiness transportiert und promoted werden. Da wird nach wie vor das unspannende Bild von dem bösen stereotypischen Gangsta-Rapper und einer ganzen Menge Groupiemädels rund um ihn herum gezeigt – ein Bild, das wir Moderatoren von Alphabeat nicht leiden können. Das ist uns so wichtig, dass es auch in unserer Sendungs-Kurzbeschreibung festgehalten ist. Hiphop ist für uns einfach viel mehr. Es muss einfach die Qualität der Musik im Vordergrund stehen, und es wär echt an der Zeit, dass Hiphop erwachsen wird und mal über diese Stereotypen hinwegsieht. Word!

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1 Kommentar so far
jones says on Donnerstag März 09th 2006
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na das ist ja ein guter artikel! diese ganzen sachen hab ich mir nämlich auch gedacht, als ich mir das messege durchgeblättert hab. cool, dass ihr das aufgreift! rock on!

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